Hi, we are Eyecandy!

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Fanny Böhme und Juliette Mainx verzaubern als Eyecandy mit bunten Bildern die Welt. Wir haben den Fotografinnen Rosen gestreut.

Der Holzmarkt ist eine spezielle Gegend in Berlin. Er befindet sich im ehemaligen Osten der Stadt, mehr oder weniger in Sichtweite des Alexanderplatzes zwischen Schilling- und Michaelbrücke. Angrenzend plätschert die Spree, die Berliner Mauer verlief an der Schillingbrücke und trennte die Ost-Bezirke Friedrichshain und Mitte vom West-Bezirk Kreuzberg.

Diese besondere Lage hatte zur Folge, dass nach der Wende ein Sammelsurium an Brachen und Abrissbuden zurückblieb, wie geschaffen für die Technokultur der 1990er- sowie der Partykultur der 2000er-Jahre. Zu den einschlägigen Orten zählte beispielsweise das am Ostbahnhof gelegene Ostgut, der Vorgänger des Berghains, das Kiki Blofeld oder das Maria am Ostbahnhof, später dann Locations wie der White Trash Strand Markt oder das Yaam. Manche gibt es noch, manche sind Legende, manche sind hinzugekommen, manche haben sich mit verändert – so wie etwa Keimzelle der Generation easyjet schlechthin, die Bar25, die als Kater Holzig oder Kater Blau nicht nur die Namen, sondern zwischenzeitlich sogar das Flussufer gewechselt hatte. 

Fakt ist: Der Abschnitt zwischen Schilling- und Michaelbrücke ist ein Streifen mit einer besonderen Aura. Er symbolisiert einen politisierten Hedonismus, der stets als Gegenentwurf zum schier unaufhaltsamen und immer gesichtsloseren Ausverkauf der Stadt stand. Am Holzmarkt durfte es nicht nur bunt zugehen, hier sollte es auch immer bunt zugehen – es ist also irgendwie kein Wunder, dass Berlins bunteste Fotografinnen Eyecandy seit drei Jahren hier ihr Studio haben. 

„Wir haben damals eigentlich gar nicht gesucht, aber Freunde vom Holzmarkt haben uns auf diesen Raum unter einem S-Bahn-Bogen aufmerksam gemacht. Es war eine Rumpelkammer ohne Licht und Fenster, es gab gerade mal einen Gartenwasserhahn“, beschreibt Fanny Böhme.“ Am Tag der Besichtigung hat die Sonne jedoch das Wasser der Spree auf die Decke des Raumes projiziert, und irgendwie haben wir uns dann in den Gedanken hineingesteigert“, ergänzt Juliette Mainx. „Wir konnten uns einfach vorstellen, wie es hier aussehen kann.“

Was die Stärken der beiden bereits auf den Punkt bringt: Sie können sich ziemlich schnell vorstellen, wie etwas aussehen kann. In ihrem Fall heißt das: ziemlich gut und bunt.

Dabei kennen sich die beiden erst seit 2013. Fanny Böhme, gebürtige Berlinerin, arbeitet zu jenem Zeitpunkt als Assistentin des Fotografen Olaf Heine, Juliette Mainx, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr auf Mallorca aufwuchs, für die Agentur, die diesen repräsentiert. Also sperren sie eines sonnigen Tages gemeinsam die Berliner Straßen für eine Produktion des Star-Fotografen ab – und nein, es ist keine Begegnung, bei der die kreativen Funken sprühen. „Wir sind jetzt nicht am nächsten Tag sofort gemeinsam mit einer Kamera losgezogen“, sagt Fanny Böhme. 

Als Eyecandy werfen sie ihre Stilvorlieben in eine Schale, aus der ein fröhlicher, ansteckender Minimalismus entspringt, der nicht zwischen Mensch und Material unterscheidet.

Aber das Schicksal hat etwas mit ihnen vor. Fanny arbeitet zu jenem Zeitpunkt auch in einem Club, in der der damalige Freund von Juliette auflegt. Und so nimmt die Geschichte von Eyecandy allmählich, aber unaufhaltsam Fahrt auf. Kein Wunder: Ihre Arbeit wirkt sofort wie aus einem Guss. Während die Autodidaktin Juliette vorwiegend mit Models arbeitet und auf Instagram sehr aktiv ist, entwirft Fanny, die den Lette Verein absolviert hat, eher Stillleben.

Als Eyecandy – „der Name entstand in einer weinseligen Nacht“ – werfen sie beide Stile in eine Schale, aus der ein fröhlicher, ansteckender Minimalismus entspringt, der nicht zwischen Mensch und Material unterscheidet. Sein Rezept: Farben, Farben, Farben. „Ich hatte immer schon einen Fimmel für Farben und habe schon als Kind meine Stifte nach Farben geordnet“, so Fanny Böhme. „Heute macht sie es mit den Apps auf ihrem Handy“, grinst Juliette Mainx.

Wenn man sich den farbenfrohen Output von Eyecandy ansieht, erkennt man schnell, warum ihr Stil sie so rasch nach oben katapultiert. Sie vermeiden eine Einbeziehung einer lebensnahen Realität durch eine Art Retro-Optik, die gerne authentisch sein will – als könnte ein Foto jemals authentisch sein. „Bei uns ist alles konstruiert“, merken sie unisono an. Stimmt, einerseits. Andererseits unterscheiden sie sich auch stark von der inszenierten Fotografie beispielsweise der 1980er- oder 1990er Jahre, die jedes Motiv zur Ikone stilisieren wollte. Sie verfolgen gar nicht erst die Absicht, ihre Bilder Bigger-than-life erscheinen zu lassen. Und sie schaffen es, ihre Arbeit trotz greller Farbpalette auch subtil daher kommen zu lassen: Immerhin war einer ihrer ersten Aufträge das Cover für Spiegel Wissen zum Thema Intelligenz.

„Wir sind nie mit der Einstellung rangegangen: ‚Fotografie ist unser Hobby und unsere Leidenschaft, und wir machen das jetzt zu unserem Beruf.‘ Das halte ich für den schwierigeren Weg. Wir haben immer die Dienstleistervision gesehen und haben lieber ein konkretes Projekt, an dem wir uns abarbeiten können“, beschreibt Juliette Mainx.

Dabei ist alles, was man auf ihren Fotos sieht, auch tatsächlich entstanden, gebaut oder handwerklich umgesetzt. Digital ist lediglich die Nachbearbeitung. Der Aufwand, der hinter den Bildern steckt, ist hoch. „Potentielle Praktikanten sind regelmäßig enttäuscht, wie viel Zeit eigentlich für Bastelarbeit, Bauarbeit, Organisation und Kommunikation draufgeht“, so Fanny Böhme. „Oder fürs Putzen“, ergänzt Juliette Mainx.

Wie besagte Praktikanten, wollen aber auch wir das nicht hören! Wir sind schließlich hier, um zu hören, wie federleicht und genial ihnen alles von der Hand geht! Wir wollen das Ergebnis anbeten, nicht den mühevollen Weg dahin! Wir wollen über ihr Künstlerkollektiv sprechen, das sie als Agentur betreiben! Und das mit Drinks in unseren Händen!

Dabei sind wir natürlich nicht mit knallharten, knochentrockenen Martinis in die Villa Kunterbunt der beiden geschlichen, sondern haben ebenfalls die Farbmuskeln spielen lassen. Juliette mag Rosengeschmack, aber Rose ist in Drinks nicht immer einfach umzusetzen. Als Sirup verarbeitet, verliert es rasch an Aroma und geht im Drink unter, Rosenwasser schmeckt zu künstlich und aufdringlich, und gute Spirituosen mit Rose sind Mangelware.

Also macht man es am besten selbst, in dem man Rosen in Wodka mazeriert. Wir haben als Basis Ketel One Vodka verwendet, einen holländischen Premium Wodka, der zu 100% aus Weizen unter Verwendung eines traditionellen Destilliergeräts hergestellt wird. In seine smooven 40% haben wir 12 Stunden lang getrocknete Rosenblüten eingelegt, was der Spirituose ein ausreichend intensives Rosenaroma sowie auch eine Hagebuttentee-artige Farbe verleiht. Kombiniert mit aus Kokoswasser selbst hergestelltem Kokoszuckersirup, Zitrone und Bio-Eiweiß von Pumperlgsund (ein löbliches Projekt mit umso gewöhnungsbedürftigeren Namen) ergibt es einen cremigen, pastellfarbenen Sour, der sich geschmeidig in den Farbkosmos von Eyecandy einfügt.

„Wir hatten immer die Dienstleistervision und haben lieber ein konkretes Projekt, an dem wir uns abarbeiten können.“

„Rose ist ein schwieriges Aroma, das kann sehr leicht zu intensiv oder zu seifig schmecken, aber das Ding hier passt 1a, mal schauen ob ich heute noch was arbeite“, schmunzelt Juliette Mainx, während wir der schwangeren Fanny Böhme erklären, welche Zutaten in der alkoholfreien Variante verarbeitet wurden. Zugegeben: Beide Drinks sind zu diesem Zeitpunkt noch namenlos. Manchmal muss man die Dinge eben auf einen zukommen lassen. Man hat die Zutaten und den Geschmack, der Name entsteht im Prozess. Der Prozess ist in diesem Fall Juliette, die dem nicht alkoholischen Drink einen Namen verleiht: „Wie wäre es mit Preggie Strawberry?“ 

Gekauft! Für den Rosenwodka-Sour mussten wir noch ein paar Tage überlegen. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, ihn so zu nennen wie das Motto, das man jedem mitgeben möchte, der in den Kosmos von Fanny Böhme und Juliette Mainx eintaucht – und mit einem farbenfrohen Strahlen im Gesicht wieder auftaucht: „Every good kid deserves Eyecandy!“

Hinweis: Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Ketel One Vodka.